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Zwischen Mutterschaft und Beruf

Autorenbild: muttertaet.de
muttertaet.de
5. Okt.
6 Min. Lesezeit

Wie die Heldinnenreise Orientierung geben kann.

Schwangerschaft, Elternzeit, beruflicher Wiedereinstieg: Rund um das Mutterwerden folgen häufig mehrere Übergänge aufeinander. Dabei verändert sich nicht nur der Alltag. Viele Frauen setzen sich neu mit ihrer Identität, ihren Bedürfnissen, ihren Beziehungen und ihrer beruflichen Zukunft auseinander.

Vielleicht kennst du Fragen wie:


  • Wer bin ich neben meiner Rolle als Mutter?

  • Was ist mir für meinen beruflichen Wiedereinstieg wichtig?

  • Welche Erwartungen möchte ich erfüllen – und welche nicht mehr?

  • Was gibt mir Kraft?

  • Wie kann mein nächster Schritt aussehen?


Solche Fragen sind kein Zeichen mangelnder Klarheit. Sie gehören zur Matreszenz bzw. Muttertät: einem vielschichtigen Entwicklungsprozess, der bereits in der Schwangerschaft beginnen und weit über die Geburt hinausreichen kann. In der neuen wissenschaftlichen Veröffentlichung von Prof. Dr. Svenja Krämer und ihren Kolleginnen steht im Mittelpunkt, ob die narrative Methode der Heldinnenreise Frauen in unterschiedlichen Übergangsphasen zwischen Mutterschaft und Beruf unterstützen kann.


Was ist die Heldinnenreise?

Die Heldinnenreise ist eine narrative Reflexions- und Coachingmethode. Sie hilft dabei, die eigene Situation als Geschichte zu betrachten: Wo stehe ich gerade? Welche Herausforderungen begegnen mir? Wer oder was unterstützt mich? Welche Fähigkeiten und Ressourcen bringe ich mit? Und welchen „Schatz“ möchte ich aus meiner bisherigen Erfahrung mitnehmen? Dabei geht es nicht darum, Mütter zu Heldinnen zu erklären, die sämtliche Belastungen allein bewältigen müssen. Im Gegenteil: Die Methode soll Raum schaffen, um Erfahrungen zu sortieren, Unterstützung sichtbar zu machen und einen individuell passenden Weg zu entwickeln. Metaphern wie die „Reise“, der „Schatz“ oder eine „Mentorin“ können dabei helfen, schwer greifbare Gedanken und Gefühle in Bilder zu übersetzen. Das kann insbesondere in Übergangsphasen hilfreich sein, in denen das Vertraute nicht mehr richtig passt und das Neue noch nicht klar erkennbar ist.


Was haben wir untersucht?

An der qualitativen Studie nahmen 15 Frauen teil, die erstmals Mutter wurden. Sie befanden sich in drei unterschiedlichen Übergangsphasen:

  • Schwangere Frauen vor dem Übergang aus dem Beruf in die Elternzeit,

  • Mütter kurz vor ihrem geplanten beruflichen Wiedereinstieg,

  • Mütter, deren Rückkehr in den Beruf bereits sechs bis 18 Monate zurücklag.


Mit jeder Teilnehmerin wurde eine etwa 60- bis 90-minütige Heldinnenreise durchgeführt. Zwei bis vier Wochen später berichteten die Frauen in Interviews, wie sie die Methode erlebt hatten und welche Gedanken oder Veränderungen sie bei ihnen angestoßen hatte.


Wichtig ist: Die Studie bildet keine langfristigen Entwicklungsverläufe derselben Frauen ab. Sie betrachtet drei voneinander unabhängige Gruppen in unterschiedlichen Phasen. Aufgrund der kleinen und wenig diversen Stichprobe können die Ergebnisse außerdem nicht auf alle Schwangeren und Mütter übertragen werden. Sie geben vielmehr erste Hinweise darauf, welches Potenzial die Methode besitzt und worauf bei ihrer Anwendung geachtet werden sollte.


Gedanken und Gefühle neu ordnen

Ein zentrales Ergebnis war die Anregung zur Selbstreflexion. Teilnehmerinnen beschrieben, dass die Heldinnenreise ihnen geholfen habe, Gedanken und Gefühle zu sortieren. Gerade beim Mutterwerden können viele Themen gleichzeitig präsent sein: Vorfreude und Unsicherheit, die Erwartungen anderer, Veränderungen in der Partnerschaft, Sorgen um den Beruf oder die Frage, wie sich verschiedene Lebensbereiche künftig verbinden lassen. Die klare Struktur der Heldinnenreise wurde von vielen Frauen deshalb als hilfreich und orientierend wahrgenommen. Auch die bildhafte Arbeit mit Metaphern machte abstrakte Themen für einige Teilnehmerinnen leichter zugänglich.


Eigene Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten erkennen

Frauen berichteten ebenfalls von einer gestärkten Selbstwirksamkeit. Damit ist das Vertrauen gemeint, schwierige Situationen beeinflussen und eigene Handlungsmöglichkeiten nutzen zu können. Die Heldinnenreise blieb dabei nicht ausschließlich auf der Ebene der Gedanken. Einige Teilnehmerinnen entwickelten konkrete Handlungsimpulse. Frauen aus der Gruppe rund um den Wiedereinstieg nahmen beispielsweise Kontakt zu ihrem Arbeitgeber auf, um ihre künftige berufliche Situation zu klären. Bei den Müttern, deren Wiedereinstieg bereits einige Zeit zurücklag, rückte außerdem die Selbstfürsorge stärker in den Blick. Sie beschrieben unter anderem, freundlicher mit sich selbst umgehen und den eigenen Druck reduzieren zu wollen.


Zuversicht statt ausschließlich Problemfokus

Besonders wichtig erschien vielen Frauen die Phase des „Schatzes“. In ihr wird der Blick auf vorhandene Fähigkeiten, hilfreiche Erfahrungen und persönliche Ressourcen gelenkt. Einige Schwangere berichteten nach der Heldinnenreise von mehr Freude im Hinblick auf die bevorstehende Mutterschaft. Frauen vor dem Wiedereinstieg blickten zuversichtlicher auf ihre Rückkehr in den Beruf. Auch nach dem Wiedereinstieg konnte die Reflexion das Gefühl stärken, bereits vieles richtig zu machen.


Das zeigt: Begleitung muss nicht nur danach fragen, was schwierig ist. Sie darf ebenso sichtbar machen, was eine Frau bereits bewältigt hat, was sie trägt und worauf sie aufbauen kann.


Eine Methode muss zur Frau passen

Nicht alle Teilnehmerinnen empfanden den gewählten Zeitpunkt als passend. Einige Schwangere erlebten bestimmte Fragen als zu früh, weil sie in ihrer aktuellen Lebenssituation noch keine Rolle spielten. Für manche Frauen, deren Wiedereinstieg bereits länger zurücklag, kam die Reflexion dagegen zu spät, weil sie viele Fragen schon für sich geklärt hatten.


Auch einzelne Metaphern wurden kritisch bewertet. Vor allem der Begriff „Feind“ löste Irritationen aus. Eine Bezeichnung wie „Herausforderung“, „Hürde“ oder „Gegenspieler“ kann in diesem sensiblen Kontext geeigneter sein.


Die Heldinnenreise sollte deshalb nicht als starres Programm verstanden werden. Zeitpunkt, Sprache, Dauer und einzelne Fragen müssen zur Lebenssituation der jeweiligen Frau passen. Freiwilligkeit, eine verständliche Einführung und ein sicherer Gesprächsrahmen sind dabei besonders wichtig.


Was können Schwangere und Mütter daraus mitnehmen?

Du musst nicht erst in einer Krise sein, um dir Zeit für Orientierung zu nehmen. Gerade Übergänge bieten die Möglichkeit, innezuhalten und die eigene Situation bewusster wahrzunehmen. Vielleicht möchtest du dir heute folgende Fragen stellen:


  • An welchem Punkt meiner persönlichen Reise befinde ich mich gerade?

  • Welche Herausforderung beschäftigt mich besonders?

  • Wer oder was unterstützt mich?

  • Welche Stärke habe ich in den vergangenen Monaten an mir entdeckt?

  • Welcher nächste kleine Schritt würde mir mehr Klarheit oder Entlastung geben?


Nicht jede Frage muss sofort beantwortet werden. Manchmal beginnt Orientierung bereits damit, den eigenen Gedanken und ambivalenten Gefühlen Raum zu geben.


Was bedeutet das für Fachkräfte und Unternehmen?

Für Hebammen, Mütterpflegerinnen, Doulas, Coaches, Berater, Therapeut, pädagogische Fachkräfte und weitere Personen, die Schwangere, Mütter und Familien begleiten, unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung reflexiver und ressourcenorientierter Angebote. Narrative Methoden können dabei helfen, komplexe Veränderungen besprechbar zu machen. Sie sollten jedoch fachlich fundiert, sensibel und flexibel eingesetzt werden. Insbesondere Metaphern dürfen nicht ungeprüft übernommen werden. Entscheidend ist nicht, eine Methode vollständig „abzuarbeiten“, sondern aufmerksam wahrzunehmen, welche Bilder, Fragen und Themen für die jeweilige Frau hilfreich sind.


Auch Arbeitgeber und Personalverantwortliche können aus den Ergebnissen lernen. Der Ausstieg vor der Elternzeit und die Rückkehr in den Beruf sind keine rein organisatorischen Vorgänge. Sie berühren die berufliche Identität, das Selbstvertrauen, persönliche Prioritäten und die Frage, unter welchen Bedingungen sich Beruf und Familie miteinander verbinden lassen. Gut gestaltete Übergangscoachings können Frauen dabei unterstützen, ihre Bedürfnisse zu klären und konkrete nächste Schritte zu entwickeln. In unserem Fachkräftekurs zur Matreszenz vermitteln wir wissenschaftlich fundiertes Wissen über die Veränderungen des Mutterwerdens. Damit möchten wir Fachpersonen umfassend dafür qualifizieren, Schwangere und Mütter differenziert, ressourcenorientiert und ohne vorschnelle Bewertung zu begleiten.


Orientierung statt Optimierung

Die Heldinnenreise kann einen geschützten Rahmen bieten, um innezuhalten, die eigene Geschichte neu zu betrachten und persönliche Ressourcen zu erkennen. Unsere Untersuchung liefert erste Hinweise darauf, dass bereits eine einmalige Durchführung Selbstreflexion, Zuversicht und konkrete Handlungsimpulse anregen kann. Sie zeigt aber ebenso deutlich: Es gibt nicht den einen richtigen Zeitpunkt, die eine passende Metapher oder den einen Weg für alle Frauen. Gute Begleitung orientiert sich nicht an einem starren Ideal von Mutterschaft. Sie beginnt bei der individuellen Lebenswirklichkeit der Frau. Denn Mutterwerden bedeutet nicht, eine vorgegebene Rolle perfekt auszufüllen. Es bedeutet, den eigenen Weg zwischen Veränderungen, Beziehungen, Bedürfnissen und neuen Möglichkeiten zu finden.


Quelle: Thier, K., Krämer, S., Bürzle, A.-L., Mack, A. & Schwier, N. (2026). Einsatz und Wirkung der Methode Heldinnenreise als Coachinginstrument in Übergangsphasen berufstätiger Mütter – eine empirische Untersuchung. Organisationsberatung, Supervision, Coaching. https://doi.org/10.1007/s11613-026-01008-6



Deine persönliche Heldinnenreise als Working Mom

Auch in unserem Online-Kurs für Working Moms arbeiten wir mit der Methode der Heldinnenreise. Der Kurs richtet sich an Frauen in unterschiedlichen Phasen der Muttertät – unabhängig davon, ob du dich auf die Elternzeit vorbereitest, deinen beruflichen Wiedereinstieg planst, bereits wieder arbeitest oder dich zu einem späteren Zeitpunkt beruflich neu orientieren möchtest.


Die Heldinnenreise bietet dir einen strukturierten Rahmen, um deine persönlichen Fragen zur eigenen Identität als Mutter im Zusammenhang mit der beruflichen Säule deines Lebens zu reflektieren. Dabei kannst du unter anderem betrachten, was sich für dich verändert hat, welche Erwartungen dich begleiten, welche Ressourcen dir zur Verfügung stehen und wie dein nächster Schritt aussehen könnte.


Denn die Auseinandersetzung mit der eigenen beruflichen Identität ist nicht auf den unmittelbaren Wiedereinstieg begrenzt. Sie kann zu jedem Zeitpunkt der Mutterwerdung und Mutterschaft bedeutsam werden. Unser Online-Kurs gibt dir die Möglichkeit, deine individuelle Heldinnenreise im eigenen Tempo zu durchlaufen und daraus Orientierung für deinen persönlichen und beruflichen Weg zu gewinnen.


 
 
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